Umbau zur Infrarotkamera

Dies wird kein richtiger Tipp sein. Ich möchte es lieber als Empfehlung bezeichnen. Meine Empfehlung basiert auf meine eigenen Erfahrungen und der daraus resultierenden Meinung. Manch anderer wird meine Ansicht nicht teilen können. Vielleicht hat er andere Erfahrungen gemacht. Vielleicht hat er bessere handwerkliche Fähigkeiten, als ich?

Meine klare Empfehlung an jeden Infrarotfotografie-Interessenten ist: Spart euch Umwege über mutmaßlich billige Lösungen. Dazu meine persönliche Erfahrung mit meinen ersten digitalen Gehversuchen in der Infrarotfotografie. Sozusagen als abschreckendes Beispiel.

Meine ersten Infrarotofotografien

Für meine Nikon D70 habe ich mir damals einen Hoya Infrarotfilter gekauft. Der größte Durchmesser mit 77 qmm wurde für rund 100 € angeschafft. An einem sonnigen Sommertag zog ich schwer beladen mit Kamera und Stativ los. Ziel waren die umliegenden Weinberge. In der sommerlichen Hitze war der Aufstieg in den Weinberg bereits eine schweißtreibende Hürde. Diese Hürde wurde erfolgreich gemeistert. Schnell fand ich die ersten interessanten Motive. Lanschaftsmotive mit vielen grünen Pflanzen. Stativ aufbauen. Kamera aufsetzen. Motiv auswählen. Bildausschnitt gestalten. Entfernung einstellen. Manuell korrigieren. Infrarotfilter auf das Objektiv schrauben. Belichtung und Blende einstellen. Erste Testaufnahme machen. Auf dem Display das Ergebnis betrachten. Mist, unterbelichtet. Nach mehreren Testaufnahmen sah das Bildergebnis endlich halbwegs akzeptabel aus. Ein flaues violettes Motiv erblickten meine Augen. Irgendwie enttäuchsend. Egal, den Rest hole ich in Lightroom aus der RAW-Datei heraus. Lange Rede kurzer Sinn. In dieser Form der Infrarotfotografie ist es sehr mühsam, anstrengend und umständlich zu einem guten Bild zu kommen. Bei Sonnenlicht entsteht fast immer Thermik und Luftwirbel. Viele Pflanzen bewegen sich im Wind. Verwacklungen durch die langen Belichtungszeiten sind die Regel! Windstille kommt bei Sonne sehr selten vor. Ehrlich gesagt habe ich das bis dahin noch nie wahrgenommen 😉

Bernd Schmidt
Bernd Schmidt

Drei Fotoausflüge habe ich mit der Nikon D70 und Stativ zur Infrarotfotografie unternommen. Danach war es mir zu lästig. Zu hohe Ausschußquote durch Wind. Zuviel Frust. Zu wenig gute oder beste Bildergebnisse. Danach schlummerte der Infrarotfilter gut 10 Jahre im Fotoschrank. Aus heitiger Gesicht war die Investition in einen Infrarotfilter Geldverschwendung. Beim Verkauf des Filters gab es nur noch 15 €. Warum Verkauf? Inzwischen hatte ich mir eine gebrauchte Fuji X-E1 gekauft und zur Infrarotkamera mit 830 nm Infrarotfilter vor dem Sensor umbauen lassen. Seitdem macht die Infrarotfotografie richtig Spaß!

Endlich kurze Verschlußzeiten, die Freihand-Aufnahmen erlauben. Die Belichtung paßt in den meisten Fällen auf Anhieb. Im Extremfall sind nur geringe Korrekturen erforderlich. Fast immer reicht der Bearbeitungsspielraum im RAW-Konverter dafür aus. Der Autofokus sitzt da wo ich die Schärfe anvisiert wurde. Und im Live-View sieht man das Endergebnis bereits vor der Aufnahme. Fotografieren wie mit jeder anderen Kamera. Warum nicht gleich so?

Empfehlung: Kamera-Umbau

Meine klare Empfehlung für die Infrarotfotografie ist ein Umbau einer digitalen Systemkamera. Manche Kritiker halten das für teuer. Ich bin der Meinung daß die Vorteile und der Komfort den höheren Anschaffungspreis rechtfertigen. Die meisten günstigeren Lösungen haben fast immer irgendwelche Nachteile. Meist muß man beim Fotografieren irgend etwas umständlicher bedienen. Das macht auf Dauer wenig Spaß. Fehlerquoten fallen höher aus. Der Frustfaktor steigt. Die Lust auf Infrarotfotografie ist minimal und tendiert irgendwann gegen null. Und an einer herkömmlichen Kamera will man ja auch nicht am Komfort wie Belichtungsmessung, Scharfeinstellung und Live-View verzichten? Warum dann bei der Infrarotfotografie?

Die Wahl der Kamera – Kamerasystem

Für die Infrarotfotografie ist derzeit die beste Lösung eine digitale Systemkamera. Diese bieten verschiedene technische Vorteile gegenüber digitalen Spiegelreflexkameras. Nicht nur das geringere Gewicht, sondern die technischen Möglichkeiten wie funktionierender Autofokus und Live-View-Betrieb sind die wesentlichen Vorteile der Spiegellosen. Wenn man schon ein Kamerasystem besitzt, wird man auch bestehende Objektive und Zubehör verwenden wollen. Wenn ihr aber ein Spiegelreflexsystem habt, würde ich dennoch zu einer spiegellosen Kamera raten. Bei einigen Spiegelreflex-Herstellern werden inzwischen auch spiegellose Kameras angeboten. Da wo nicht, kauft euch lieber von einem anderen Systemanbieter eine spiegellose Kamera. Ihr werdet mit dem Bedienkomfort dauerhaft mehr Freude haben.

Soll die Kamera neu oder gebraucht sein? Hier hängt es davon ab, wieviel Geld ihr in solch eine Spezialkamera investieren wollt. Für die meisten Infrarotmotive braucht man keine schnelle Technik. Wobei man auch Sportmotive damit fotografieren könnte. Da wäre ein flotter Autofokus sicherlich hilfreich. Ich nutze die Infrartokamera hauptsächlich für Landschaftsmotive und vereinzelt auch für Portaits. In beide Fällen spielt die Geschwindigkeit vom Autofokus keine wesentliche Rolle. Ich habe mir eine gebrauchte Fuji X-E1 für 200 € gekauft. Diese wurde für knapp 300 € mit 830 nm Infrarotfilter umgebaut. Insgesamt rund 500 €. Die Kameratechnik reicht mir. Eine Infrarotkamera macht Spaß wenn sie bestimmte technische Voraussetzungen hat. Ich werde diese hier mal auflisten:

Pluspunkte für eine gute Infrarotkamera:

  • Kamera die für Infrarot umgebaut werden kann (bei den Umbau-Anbietern siehe unter den Links). vorher informieren oder anfragen.
  • Spiegellose digitale Systemkamera mit Wechselobjektiven
  • Gute Objektivauswahl
  • Live-View im Display / Sucher
  • Phasen Autofokus (hier muß in der Werkstatt nicht neu justiert werden)

Habt ihr eine Kamera gefunden, welche all diese Voraussetzung erfüllt, sind schon einmal die optimalen Voraussetzungen ermittelt. Danach erfolgt der Kauf. Je nach Anspruch und Geldbeutel als Neugerät oder Gebraucht.

Auswahl der Objektive für die Infrarotfotografie

Darüber gibt es zum Teil Listen, wo empfehlenswerte und weniger geeigente Objektive verschiedener Hersteller aufgelistet sind. Diese Recherche sollte man parallel zur Kamerasuche machen. Was nützt eine tolle Kamera, wenn man kein infrarottaugliches Objektiv dafür hat? Gut, man könnte sich ein geeignetes Objektiv kaufen. Günstiger ist natürlich, die Verwendung von bereits vorhandenen Objektiven. Mit dieser Recherche kann man zumindest die in Frage kommenden Systeme einschränken.

Ich habe bei mir festgestellt, daß meine infraroten Landschaftsfotografien fast alle mit dem Fuji 14mm entstanden sind. Aber das ist meine Erfahrung oder besser gesagt Gewohnheit. Wenn ihr andere Motive fotografiert, tendiert ihr vermutlich zu anderen Brennweiten und Objektiven.

Falls ihr euch für eine spiegellose Kamera entscheidet, noch ein Hinweis. Die meisten dieser Kameras-Systeme haben ein geringes Auflagemaß für das Objektiv. In der Praxis kann man meist viele Objektive anderer Hersteller adaptieren. So kann man sich durchaus günstig ein älteres manuelles Objektiv per Adapter auf dem Gebrauchtmarkt erwerben. Zumindest wenn man in erster Linie Landschaftsmotive fotografieren möchte, reicht auch ein manuell einstellabares Objektiv aus. Manch älteres Objektiv bekommt man gebraucht auch schon mal unter 50 €.

Auswahl des Infrarot-Filters

Ob der Filter 630 nm, 700 nm oder 830 nm haben soll hängt vom gewünschten Bildergebnis ab. 630 nm bietet Spielraum zwischen Farb- und Schwarzweiß-Infrarotfotos. Allerdings ist bei Schwarzweiß der Effekt noch schwach ausgeprägt und der Woodeffekt ist häufig flau. 700nm ist da schon knackiger bei schwarzweißen Woodeffekt. Bei Farbe gehen allerdings mehr Farbinformationen verloren. Mir persönlich gefallen solch reduzierte Infrarotaufnahmen ganz gut. Will man nur Schwarzweiß-Infrarotaufnahmen realisieren ist der 830 nm Filter der mit dem knackisgten Woodeffekt.

Könnt ihr euch nicht entscheiden, da ich noch nicht wisst, ob ihr Schwarzweiß oder Farbe fotografieren wollt? Dann lasst die Kamera mit einem 630 nm Infrarotfilter umbauen. Dieser lässt noch einiges an Farbe durch. Hat aber auch schon den Infraroteffekt. Mit einem Vorsatzfilter könnt ihr dieser Kamera dann auch für 700, 720 oder 830 nm umrüsten. Am Bedienkomfort geht hier nichts verloren. Der Sensor merkt das automatisch und man kann auch mit dem Vorsatzfilter ohne weiteren Lichtverlust aus freier Hand infrarot fotografieren.

Beispiel Kamera-Umbau für Infrarotfotografie

Eine gute digitale Kamera mit Wechselobjektiven bekommt man derzeit ab 500 € aufwärts. Eine gute Infrarotkamera kann man durchaus im gleichen Preissegment bekommen. Der Optimalfall wäre ein überzähliges Kameragehäuse, welches sich für einen Umbau zur Infrarotkamera eignen würde.

Beispielrechnung für einen Infrarotkameraumbau:

  • Gebrauchte spiellose Systemkamera ab ca. 200 €
  • Umbau ca. 250 – 300 € (z.b. bei IRre)
  • Objektive sind evtl. vorhanden und können genutzt werden
  • Objekitv ist keines verhanden. Gebrauchtes manuelles Objektiv ab ca. 50 € + Adapter für Kamerasystem. Modernere und aktuellere Objektive kosten meist mehr.

In der Praxis ist der Einstieg ab ca. 500 € möglich.

Welches Kamerasystem wähle ich? Systemkamera ohne Spiegel hat Vorteile. Mögliche Hersteller sind Fuji, Panasonic, Sony, Canon, Nikon, Olympus …

Bei Systemkameras kann man fast jedes Objektiv mit anderem Objektivanschluß adaptieren. Adapter sind ab 20 € je nach Anschluß und Hersteller erhältlich. Vielleicht schlummert ja noch irgend ein Altglas im Haushalt und wartet nur darauf wiedererweckt zu werden? Wenn nicht, sind alte manuelle gute und sehr gute Objektive öfters schon ab 50 € auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich.

Kamera ist vorhanden. Diese wurde für Infrarotfotografie umgebaut. Objektiv(e) sind da. Dann kann es los gehen mit der Infrarotfotografie. Viel Spaß und Erfolg dabei!

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