Die Aufnahme – Kamera

Analoge Kamera Infrarotfotografie

Mit jeder analogen Kamera kann ein Infrarotfoto umgesetzt werden, vorausgesetzt es gibt für die Kamera einen Infrarotfilm und passenden Schwarzfilter. Ausnahmen sind wenige Kameras, welche einen Bildzähler mt Infrarotlicht haben. Derzeit (Stand 4/2019) angeboten werden Schwarzweiß-Infrarotfilme als Kleinbildfilm (35mm), Rollfilm (120) und Großformat 4×5″.

Das Handling erfordert viele manuelle Schritte. Der Film muß bei völliger Dunkelheit in die Kamera eingelegt werden. Zum Fotografieren braucht man einen Infrarotfilter. Nur so gelangen infrarote Lichtwellen auf den Film. Durch den Filter sind meist sehr lange Belichtungszeiten erforderlich. Ein Stativ wird notwendig. Zudem ist der Infrarotfilter so dunkel, daß man durch ihn gar nicht sehen kann. Was bedeutet das für das Fotografieren? Stativ aufbauen. Kamera draufsetzen. Bildausschnitt auswählen. Entfernung manuell einstellen. Danach die Entfernung für Infrarot korrigieren. Hierzu haben ältere Obektive meist einen Infrarotindex in Form einer roten Markierung an der Entfernungsskala. Objektive jüngerer Bauart haben diese Markierung häufig nicht. Da bleibt nur schätzen. Danach den Infrarotfilter vor das Objektiv befestigen. Aufnahme machen. Fertig.

Film entwickeln. Schwarzweiß-Filme am besten selber entwickeln. Das Einlegen in die Entwicklungsdose muß wieder bei vollständiger Dunkelheit erfolgen, damit keine Belichtungen auf dem Film gelangt. Erst nach der Entwicklung kann man das Ergebnis beurteilen.

Digitale Kamera Infrarotfotografie

Alle Sensoren von Digitalkameras können Infrarotlicht wiedergeben. Da Infrarotlicht die Abbildungsqualität durch Unschärfen sichtbar stören würde, wird das Infrarotlicht durch Sperrfilter vor dem Sensor blockiert.

Nun könnte man das umgehen, in dem man den Sperrfilter entfernt. Leider ist dieser meist fest verbaut. Einzige Ausnahme gibt es bei einigen älteren Sony Bridgekameras mit NightShot-Modus. Für diese Funktion wird der Infrarot-Sperrfilter ausgeschwenkt. Allerdings läßt in diesem Modus die Kamera keine kürzeren Verschlußzeiten als 1/30 Sekunden zu und man kann nur mit offener Blende auslösen. Damit werden viele Aufnahmemöglichkeiten stark eingeschränkt. Das ist leider keine optimale Lösung.

Manche Digitalkameras können dennoch einen Teil des infraroten Lichtes aufnehmen. Dies ist sowohl vom Sensor als auch vom Sperrbereich des Sperrfilters abhängig. Hat man solch eine infrarotfähige Kamera, kann man mit einem Schwarzfilter / Infrarotfilter vor dem Objektiv Infrarotaufnahmen realisieren. Allerdings schluckt dieser Filter sehr viel Licht. Die Folge sind sekundenlange Belichtungszeiten. Ein Stativ wird hier zur Pflicht. Bei Landschaftsaufnahmen bewegt der Wind sehr oft Pflanzenteile. Dies sieht man auf dem Foto als Verwischer. Bei Windstille und statischen Motiv durchaus praktikabel. Für gelegentlichen Einsatz eine Lösung. Für ernsthafte intensivere Infrarotfotografie aber immernoch noch nicht die optimale Möglichkeit. Wie erkennt man ob eine Kamera dafür geeignet ist? In Foren gibt es darüber Informationen. Im Zweifelsfall in solchen Fachforen nachfragen. Oder man testet mit einer Infrarot-Fernbedienung ob der Kamerasensor IR-Licht abbilden kann. In einem abgedunkelten Raum wird der Infrarotsensor der Ferbedienung in Richtung Kameraobjektiv gestellt. Fernbedienung mehrere Sekunden gedrückt halten und parallel mehrere Sekunden mit der Kamera belichten. Ist auf der Aufnahme ein Lichtfleck erkennbar, reagiert der Sensor auf Infrarotlicht. Wenn man nur ein schwarzes Bild erhält, bitte einen weiteren Versuch mit längerer Belichtungszeit bis zu 30 Sekunden machen. Gibt es danach immmer noch keinen Lichtspot, ist die Kamera nicht für die Infrarotfotografie geeignet. Das Fotografieren damit ist allerdings fast identisch wie in der analogen Fotografie. Zumindest mit einer digitalen Spiegelreflexkamera sind es die selben Abläufe. Lediglich das Filmeinlegen und die Filmentwickeln entfallen.

Infrarotfotografie mit Nikon D70
Infrarotfotografie mit Nikon D70

Wer möglichst wenige Einschränkungen und viele Vorteile bei der Infrarotfotografie haben möchte, sollte den Umbau einer Kamera zu einer Infrarotkamera in Betracht ziehen. Inzwischen gibt es einige Werkstätten, welche sich auf den Umbau in eine Infrarotkamera spezialisiert haben. Hauptnachteil sind meist die Kosten und das die Kamera danach nicht mehr für herkömmliche Fotos eingesetzt werden kann. Bei einem Umbau wird der Sperrfilter in der Kamera entfernt und durch einen Infrarotfilter ersetzt. Der Filter lässt nur noch infrarotes Licht durch und sperrt das normale und ultraviolette Lichtspektrum. Der größte Vorteil ist, daß man mit solch einer Kamera auch Freihandaufnahmen ohne Stativ realisieren kann. Ein Stativ wird nur noch in seltenen Fällen erforderlich. Es gibt bei Landschaftsaufnahmen keine Bewegungsunschärfen mehr. Man kann damit sogar bewegte Motive ohne oder nur mit geringer Bewegungsunschärfe ablichten.

4 Möglichkeiten für Infrarotkamera-Umbau

Die erste Möglichkeit ist der undefinierte Umbau. In diesem Fall wird der Sperrfilter vor dem Sensor komplett entfernt und durch einen UVI-Filter ersetzt. Ein Vorteil dieser Methode ist der Gewinn von bis zu 4 Lichtwerten! Danach kann man durchaus bei schlechten Lichtverhältnissen besser Freihand-Aufnahmen realisieren. Allerdings kann es auch durch die infraroten Lichtwellen zu Unschärfen kommen. Solch ein Umbau wird auch häufig in der Astrofotografie eingesetzt. Auch in der bildlichen Infrarotfotografie kann man diesen Umbau sehr gut einsetzen. Als Ergänzung benötigt man Sperrfilter, welche vor das Objektiv geschraubt werden. Damit kann man 4 Bereiche abdecken. UVI ungefiltert. Mit Neutraliserungsfilter ist realistische Fotografie möglich. Und mit Schwarzfilter bzw. Longpassfilter unterschiedlicher Stärke kann man Farb- als auch Schwarzweiß-Infrarotfotografie realisieren. Der Vorteil ist eine flexibel einsetzbare Kamera. Nachteil ist die Fummelei mit den Filtern. Spiegellose Systemkameras sind hier gegenüber Spiegelreflexkameras klar im Vorteil. Zum einen ist die Live-View-Funktion meist besser. Zum anderen funktioniert bei Spiegellosen die Fokusierung korrekter.

Eine weitere Möglichkeit ist der Umbau der Kamera mit einem 630 nm Infrarotfilter. Dieser ersetzt den Sperrfilter. Infrarotwellen über 630 nm werden als Bild wiedergegeben. Mit diesem Sperrfilter sind farbige Infrarotaufnahmen realisierbar. Auch hier haben spiegellose Systemkameras die gleichen Vorteile gegenüber digitalen Spiegelreflexkameras.

Die dritte Variante ist der Umbau mit einem 700 nm Infrarotfilter. Mit diesem Filter kommt noch etwas Farbe am Sensor an. Er eignet sich für Farb- und Schwarzweißaufnahmen. Die Vorteile der spiegellosen Systemkameras sind auch hier gegeben.

Bei der vierten Variante wird ein 830 nm Infrarotfilter vor dem Sensor verbaut. Nun kommen nur noch die infraroten Lichtwellen auf dem Sensor an. Damit sind kontrastreiche Schwarzweiß-Infrarotaufnahmen realisierbar. Farbe wird komplett ausgefiltert. Genau richtig für klassische Schwarzweiß-Infrarotfotografie und optimalen Wood-Effekt

Holzhaufen auf einer Wiese als Schwarzweiß-Infrarot-Foto
Aufgenommen mit digitaler Systemkamera Umbau 830 nm Schwarzfilter

Zusammenfassung Infrarotkamera

Was für wenn in welcher Form am besten geeignet ist, muß jeder für sich selbst entscheiden. Die Variante ohne Umbau mit Infrarotfilter vor dem Objektiv ist sicherlich keine Methode, welche dauerhaft Spaß macht. Ob es sinnvoll ist, einen Infrarotfilter zum testen zu kaufen, mag ich bezweifeln. Bei einem hochwertigen Infrarotfilter ist man schnell in der Preisklasse um die 100 €. Ein alternativ günstiger Filter aus China verschlechtert die optische Qualität sichtbar. Auch ich habe diese infrarote Frustphasse durchlaufen. Mit meinem heutigen Wissen würde ich mich heute gleich für einen Kameraumbau entscheiden. Das mal vermutlich auch daran liegen, daß ich mit beiden Methoden bereits Erfahrungen gesammelt habe.

Fujifilm X-E1 Kamera Infrarotumbau 830 nm
Fujifilm X-E1 Kamera Infrarotumbau 830 nm

Wer ernsthaft Infrarotfotografie machen möchte wird kaum am Umbau der Kamera herum kommen. Welche Variante es sein soll, ist vom persönlichen Geschmack und dem Ziel ob man Farb- oder Schwarzweißfotos realisieren möchte. Wenn man beides möchte ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein 630 oder 700 nm Filter die flexiblere Wahl. Will man lediglich klassisch wirkende Schwarzweiß-Infrarotfotografie mit Wood-Effekt ist der 830 nm Filter die erste Wahl.

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